Ein paar Fragen an den neu gewählten Vorsitzenden

Ein paar Fragen an den neu gewählten Vorsitzenden

Herr König ein paar Worte zu ihrer Person.

Ich heiße Robert König, bin 39 Jahre jung, verheiratet und habe drei Kinder.

Seit wann wohnen Sie in Rötha?

Ich bin 1999 aus Schwarzenberg im Erzgebirge nach Leipzig gezogen, um zu studieren. 2008 bin ich dann nach Rötha gekommen.

Wie kam es zu ihrem Engagement im Sportverein?

Natürlich wächst so eine Entscheidung nach und nach. Als Timo Müller, der langjährige Vorsitzende, das erste Mal auf mich zukam und mich fragte, ob ich mir seine Nachfolge vorstellen könnte, sind mir natürlich als Erstes 1000 Gründe eingefallen dies nicht zu tun.

Ich bin seit 35 Jahren sportlich aktiv und während dieser Zeit immer Vereinsmitglied gewesen. Seit 2010 bin ich aktives Mitglied des Röthaer SV in der Sektion Volleyball. Ich habe seit meiner Kindheit stets davon profitiert, dass andere Ihre Freizeit geopfert haben, um ein funktionierendes Umfeld zu schaffen, damit ich Sport treiben konnte. Nun sind meine Kinder in dem Alter wie ich damals. Auch sie sind alle aktive Mitglieder im RSV und nutzen den Einsatz der ehrenamtlich engagierten Trainer und Betreuer. Diesem Engagement, dem Verzicht, der Aufopferung und der Leidenschaft mit der hier gearbeitet wird, zolle ich höchsten Respekt.

Nun ja, wie Sie sehen sind die 1000 Gründe es nicht zu tun irgendwann nicht mehr vordergründig gewesen … und nun stehe ich hier.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei ihrer zukünftigen Arbeit als Vorsitzender?

Da gibt es natürlich einige. Um es in drei Punkte zu fassen.

1.     Die Stadt Rötha als Inhaber der Sportstätten unterliegt der Zwangsverwaltung und sieht sich nicht in der Lage die Vereinskultur, und das betrifft nicht nur den Sportverein, in dem Maße zu fördern und zu unterstützen, wie dies in der Vergangenheit geschehen ist. Wir werden also Sponsoren finden müssen aber auch innerhalb der Mitgliedschaft mehr Eigenverantwortung übernehmen.

2.     Über ein Drittel der derzeitigen Vereinsmitglieder sind Kinder unter 14 Jahren. Es ist natürlich fantastisch das die Jüngsten den Weg zu uns finden und unsere Sektionen bereichern. Auf der anderen Seite fordert dies natürlich die derzeitigen Trainer und Betreuer. Viele Nachwuchsgruppen im Fußball, Turnen und dem allgemeinen Bewegungssport platzen aus allen Nähten. Wir benötigen dringend mehr Betreuer und Trainer, um dem Ansturm gerecht zu werden.

3.    Viele Vereine und leider auch der Röthaer SV leiden unter der zunehmenden Anonymisierung in unserer Gesellschaft. Das klingt jetzt erstmal sehr pathetisch. Was ich damit meine, ist der Trend den Verein als eine Art Fitnessstudio wahr zu nehmen: Gegen Zahlung eines gewissen Obolus stehen mir hier Leistungen zu. Damit gehe ich also ein Kundenverhältnis ein. Ich kann kommen und gehen, wie es mir persönlich passt. Ich habe Anspruch auf Sportgeräte, eine saubere und beheizte Sportstätte und einen professionellen Trainer. Ich muss mich nicht mit dem Kunden neben mir befassen und werde natürlich auch nicht mit den Sorgen und Nöten des jeweiligen Anbieters konfrontiert.

Ein gemeinnütziger Verein aber lebt vom Einsatz und dem Engagement des einzelnen Mitglieds. Der Verein lebt vom Miteinander, dem Schaffen gemeinsamer Werte und der Akzeptanz und Achtung gemeinsamer Regeln.

Es muss uns gelingen unsere Mitglieder davon zu überzeugen, die finanzielle Situation der Stadt nicht als Nachteil für den Verein zu begreifen, sondern als Chance. Wir haben die Chance als Verein Aufgaben zu übernehmen, die bisher der Stadt als Träger oblagen. Durch z. B. gemeinsame Pflege und Verschönerung der Sportanlagen und Sportstätten schaffen wir gemeinsame Werte. Durch das vermehrte Engagement unsere Mitglieder oder natürlich auch der Eltern unseres Nachwuchses, können wir enger zusammenrücken, Netzwerke verdichten, den Einzelnen kennen und schätzen lernen. Damit wird Anonymität abgebaut und Gemeinsinn gestärkt.

Ein Verein, der seine Liegenschaften selbst hegt und pflegt, dessen über 300 Mitglieder zusammenstehen und für gemeinsame Ziele kämpfen, wird auch in seiner Außenwirkung positiv wahrgenommen werden. Sponsoren und Unterstützer werden sich dann leichter begeistern und finden lassen. Für mich gehen unsere Probleme und unsere Chancen Hand in Hand. Es ist an uns den Lauf der Dinge zu unseren Gunsten zu beeinflussen und zu lenken.

Wenn jedes unserer Mitglieder sich ernsthaft mit den „1000 Gründen es nicht zu tun“ beschäftigt und sich hinterfragt, werden wir alle gemeinsam einen großen Schritt in die richtige Richtung gehen.

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